Leserbrief zur Situation Sozialamt Nidwalden (NZ vom 17.02.2026)
Leserbrief NZ vom 17.02.2026 zum Artikel «400’000 Franken für das Sozialamt» in der NZ Ausgabe vom 7. Februar
Quantität vor Qualität?
Regierungsrat Truttmann hat seine Angestellten bei der Planung der neuen Räumlichkeiten angehört und miteinbezogen. Das mag sein und ist auch löblich. Die Frage ist nur: Was ist von den Inputs der Mitarbeitenden hängen geblieben und was ist umgesetzt worden? Wenn langjährige Angestellte kündigen, und dies -vereinzelt-, wenige Jahre vor der Pensionierung. Wenn frisch eingestellte Mitarbeitende in der Probezeit kündigen oder nach kurzer Zeit krankgeschrieben werden müssen, dann darf bezweifelt werden, dass den Angestellten genügend Gehör verschafft wurde. Es ist auch schön, dass 10 neue Arbeitsplätze auf der gleichen Fläche geschaffen wurden. Nur frage ich mich beim Lesen des Artikels: Was nützen mehr Arbeitsplätze, wenn diese nicht besetzt werden können? Oder noch dramatischer: Wenn von den ursprünglichen Arbeitsplätzen viele leer bleiben, weil an den neuen, modernen, «grossraumbüroigen» Arbeitsplätzen, die Mehrheit der Belegschaft und derer die dann noch kommen mögen, nicht gearbeitet werden kann. Der Grossteil der Arbeit im Sozialbereich besteht aus Gesprächen am Telefon, oder in «physischen» Beratungen. Dabei dürfen die Klienten auf grösstmögliche Wahrung des Datenschutzes und Diskretion vertrauen. Dass beides gewahrt ist, kann ich mir in einem Grossraumbüro nur schwer vorstellen. Im Nachhinein Scherben zusammenflicken ist immer mit erheblichem Mehraufwand verbunden. In diesem Fall sind dies für den Steuerzahler 400'000 Franken und wegen des ramponierten Rufs der «Unternehmung» ist noch länger keine dauerhafte, kontinuierliche Entlastung in Aussicht. Statt Quantität vor Qualität müsste Qualität vor Quantität stehen, und somit die noch verbliebenen, die ganze Arbeitslast tragenden Arbeitnehmenden ins Zentrum rücken: Befragen, zuhören, reflektieren und analysieren, Hilfe von aussen zulassen und die richtigen Schlüsse ziehen. Falls dieser Prozess zum Resultat führt, dass der ursprüngliche Zustand für die zu verrichtende Arbeit idealer gewesen wäre, müsste konsequent gehandelt werden: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Daniel Niederberger, Stans